Warum Vibroakustik Titel

Musik und Vibroakustik

1. Wie wirkt Musik?

Musik kann Stimmungen und Gefühle verändern – beim achtsamen Hören und beim aktiven Musik machen.

Musik kann Ängste mindern und die Hirnregion für Freude aktivieren. Musik hat kein eigenes Zentrum im Gehirn, wie z.B. das Sprachzentrum, sondern kann über das limbische System alle Gehirnregionen erreichen.

Dadurch schafft sie leichteren Zugang zu unseren Emotionen. Musik wird nicht nur über die Ohren wahrgenommen, sondern die tiefen Töne können auch über die Haut wahrgenommen werden. Es wird so zum multisensorischem Erlebnis. 

2. Hören und Spüren

Musik wird auf drei verschiedenen Wegen wahrgenommen:

Das Hören von angenehmer Musik erweitert die Blutgefäße und verbessert die Durchblutung. Es wirkt beruhigend, reguliert die Herz- und Hirnfrequenz, senkt die schädlichen Stresshormonspiegel wie Cortisol und erhöht die Vitalität.

In der Musiktherapie mit Vibroakustik werden die Schallwellen der Musik genutzt, um Vibrationen zu erzeugen, die dann körperlich fühlbar wird. direkt auf den Körper übertragen werden. Hier gelten u.a. folgende Wirkungen als erwiesen: Entspannung der Muskulatur, Abbau von inneren Anspannung, Abbau von perioperativem Stress. Dieser multisensorische Effekt der Klangwoge hat sich in den Messungen zur Erholungsfähigkeit gezeigt hat. Innerhalb von nur 5 Minuten hat sich der Herzschlag um bis zu 20 Schläge pro Minute gesenkt und über die sogenannte HRV (Herzratenvariabilität) konnte man sehen, wie der Entspannungsteil des Nervensystems (der sogenannte Parasympathikus) gegenüber der Aktivierung in den Vordergrund trat. Die Grundlage für die VAT (Vibroakustiktherapie, in den 80-er Jahren vom norwegischen Therapeuten Olav Skille eingesetzt)  ist die Tatsache, dass der menschliche Körper zu über 73% aus Wasser besteht und Schall effizienter durch Wasser fließt als Luft. Somit ist die Schallfrequenz-Vibration ein hocheffizientes Mittel zur Ganzkörperstimulation auf tiefem zellulärem Niveau.

Unsere Haut verfügt über mehr als 200 Millionen Berührungsrezeptoren, die die Schwingungs- und Schallwellen im Frequenzbereich von 15 bis 500 Hz spüren. Daher hören wir nicht nur mit Ohren, sondern auch der Tastsinn nimmt am Hörerlebnis teil. Diese multisensorische Wahrnehmung ist viel stärker und angenehmer als das, was wir von normalen Audiogeräten gewohnt sind.

3. Vibroakustische Instrumente

Wenn ein Instrument vibroakustisch wirken soll ist ein Resonanzraum nicht erforderlich.

In der vibroakustischen Therapie (VAT) wird die Schwingung bei der Erzeugung von Tönen primär zur Körperwahrnehmung genutzt. Dies geschieht durch Körperkontakt mit dem Instrument. 

Der Resonanzraum eines Instrumentes wird angefertigt für die akustische Verstärkung der Töne, d.h. das Instrument klingt dann lauter. Die Energie der schwingenden Saite z.B. wird in Lautstärke umgesetzt (in stärkerer Luftschwingung). Soll mehr Körperschwingung entstehen ist es effektiver, den Resonanzkörper wegzulassen. Dies wird seit Jahrzehnten z.B. bei unserer Klangwiege genutzt. Die akustische Lautstärke ist dann etwa nur halb so laut wie mit Resonanzkörper.

Hier zur Verdeutlichung die einzelnen Phasen der Schwingungsübertragung bei einem akustischen Saiteninstrument:

Die Saite wird angeregt (zupfen, schlagen, streichen) und gerät in Schwingung von Auflagepunkt (Steg)  zu Auflagepunkt der Saite (diese Strecke wird Mensur genannt).

Die Schwingung wird über den Steg auf die Decke des Resonanzkastens übertragen und die Decke beginnt mitzuschwingen und verstärkt dadurch die Luftschwingung. Das Instrument erklingt lauter.Beispiel: Bei dem Behandlungs-Tamburachord ZM78C liegt die Lautstärke beim Spielen (je nachdem, ob man leise oder laut spielt) zwischen 30-50 dB (0,4-2 sone). Wenn es lauter erklingen soll, kann man das Instrument auf einen Tisch oder Karton oder eine Trommel auflegen. Dann liegt die Lautstärke zwischen 40-60 dB (2-4 sone). Es erklingt dann somit etwa doppelt so laut.